NORDKAP





Residenz-Zeit auf Fruholmen in Norwegen, eine Insel oberhalb des Nordkaps, die nördlichste Insel mit einem Leuchtturm der Welt.
(http://lighthousesofnorway.com/fruholmen-lighthouse-the-northernmost-lighthouse)
Auf dieser nördlichsten Insel, unseres Kontinentes, nicht einmal ein halbes Fußballfeld groß,
habe ich alleine, ohne Internet, Fernseh, Radio die Zeit verbracht und
zum Thema "Drama in der Landschaft" gearbeitet. Es waren unglaubliche 14 Tage mit weißen Nächten, beängstigenden Naturgewalten und
inniger Versöhnung mit den Wundern der Natur, die ich so noch nie zuvor erlebt habe.
Ein Teil meiner naturphilosophischen Texte wurden bereits für ein Theaterstück benutzt, weitere ArbeitsErgebnisse wie die kartographische Ansätze, Magnetfeld_Zeichnungen, Malerei und Fotographien werden nächstes Jahr in einem umfangreichem Buch veröffentlicht.
Das Geschenk dieser rauen Insel ist eine tiefe Zufriedenheit.

Foto : Anita Baerkli | gerade angekommen


The time spent on Fruholmen island. This is the island situated  above the North cape and is considered to be the northernmost island with the lighthouse in the world. (http://lighthousesofnorway.com/fruholmen-lighthouse-the-northernmost-lighthouse)

I spent two weeks alone on this northernmost island that is smaller than the half of the football field without Internet, TV, Radio. During my stay at Fruholmen I have been working on the theme "Drama in the Landscape". In 14 days I spent there I experienced many unbelievable things including the white nights, scarring and powerful forces of wildlife and inner reconciliation with the wonders of nature that I have never experienced before. Some of the natural philosophical texts I have written there have been already used for the theater. The following results of the work like cartographic approaches, magnetic field drawings, paintings and photographs will be published in a  book next year. The present this peaceful island gave me is a deep feeling of satisfaction.


Auszug aus dem TAGEBUCH :
TAG 14 : Morgens um 7 Uhr wache ich auf und es regnet immer noch.
15.00 Uhr : Es regnet und stürmt immer noch! Das erklärt meine Kopfschmerzen. Der Regen und Wind nerven mich furchtbar mittlerweile richtig. Das Radio geht plötzlich nicht. Ich schreibe kurze sms Briefe an meine Freunde in Berlin, kleine Hilferufe, was soll ich tun ? Ich habe solche Angst.  Sms tippen ist die einzige Kommunikation nach außen für mich. Sonst habe ich kein Internet, kein Fernseh, kein Radio.
Nur kleine Buchstaben tippen auf meinen schwarzen kleinem Handy. Die einzige Korrespondenz, die ich habe ist zwischen mir und der Lnadschaft, und zwischen mir und meinem Blatt Papier. Ich gehe in den Keller, um zuschauen, wie es aussieht und mir einen Platz zu suchen, falls das Haus, wie es Helge erzählte mitgerissen wird. Es sieht alles sehr kahl aus. Ich überlege mir, wie ich das nun machen soll, wo soll ich mich hinlegen zum Schlafen, weil das stürmische Peitschen des Regens gegen die Fenster mich nervös macht.
Um 20.00 Uhr bekomme ich von meiner Freundin Josina eine sms. Sie sagt : Ich soll gegen den Wind ansingen. Wann hat man dazu schon mal die Möglichkeit ? und das mache ich! SOFORT ! Ich bin ihr so dankbar, vor lauter Verzweiflung wußte ich nicht mehr, was ich mache sollte. Zum ersten Mal In meinem Leben werde ich gegen den Sturm ansingen! Ich ziehe mir alles an, was ich habe: 3 Hosen, 2 Jacken, Mütze und gehe aus dem Haus raus, versuche die Tür auf zu machen, es ist nicht leicht. Versuche gegen den Wind zu meinem Lieblingsplatz am nördlichsten Punkt der Insel zu gelangen, aber das schaffe ich nicht, es störmt zusehr.
Auf den Hügel, wo der Leuchtturm steht komme ich nicht. Es gibt auch nicht zum Festhalten, mein Körper muß es irgendwie ausbalancieren. So bleibe ich einfach stehen, wo ich gerade bin, auf einem groben Steinfelsen und singe. Ich singe, aber ganz zart, meine körperliche Anstrengung nimmt mich so in Beschlag, daß die ganze Kraft dafür gebraucht wird- überhaupt zu stehen. Ganz zart singe ich gegen den Sturm und Regen an.  Ich stehe lange, ich weiß nicht wie lange, aber so lange ich kann.
Und es ist eine gute Performance: A, O, U, I, E. Die Vokale habe ich gesungen und dachte kurz der Wind ist wirklich weg! Ich habe mir die Seele herausgesungen in meinem Vokalgesang und Kindergesang und hörte dabei den Sturm nicht mehr.
So stehe ich fast auf der nördlichen Seite der Insel und singe irgendwann das Kinderlied, was meine Oma, meine Tante und meine Mama gesungen haben. Dieses Lied ist so plötzlich wahr :

„Kommt ein Vogel,
geflogen setzt sich wieder auf mein Fuß.
Hat ein Brieflein im Schnabel,
von der Mutter einen Gruß.
Liebes Vöglein flieg weiter,
nimmt ein Gruss und einen Kuß,
denn ich kann Dich nicht begleiten,
weil ich hier bleiben muss.“

Ich singe und singe, habe meine Füße mit aller Kraft in den Steinbrocken fast einbetoniert. Und irgendwann drehe ich mich um und sehe auf der südlichen Seite der Insel: plötzlich kommt ein wunderschöner Regenbogen und es wird still. Um 19.30 kommt endlich Sonne + ein wunderschöner Regenbogen faltet sich zur Südseite auf! Nach 52 Stunden endlich Licht und Stille. Es ist so versöhnlich, nach all der Qual und Angst.